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„Wir müssen auf unsere Stadt achten“

Westdeutsche Zeitung,  23. März 2017

Müll03.17

Boryslawa Avzsen und Joachim Heiß ärgern sich über den Müll im Stadtgebiet. Foto: Andreas Fischer/Stefan Fries

 

Viele kritisieren mangelnde Sauberkeit – auch wenn die Verwaltung tue, was sie kann. Mehr Engagement wird gefordert.

 

Wuppertal. Joachim Heiß ärgert sich. Denn erst kurz vor dem Wochenende haben die Praktikanten der Alten Feuerwache gemeinsam mit einigen Kindern an Schildern gearbeitet und sie am Zaun angebracht – als Aufforderung, das Gelände der Sozialeinrichtung nicht zu vermüllen. Aber nach einem Wochenende waren die Schilder wieder abgerissen. „Die Praktikanten waren niedergeschlagen.“ Aber die Feuerwache will sich nicht demoralisieren lassen – denn Müll ist auf dem Gelände und in der Nordstadt drumherum ein Dauerthema. „Wir haben erst heute Morgen darüber gesprochen, berichtete Heiß gestern. Heute will er das Thema im Arbeitskreis Nordstadt ansprechen.

Eltern lassen ihre Kinder nicht am Wupperufer spielen

Müll ist ein leidiges Thema, eines, das so schnell nicht verschwindet – oder eben direkt wieder auftaucht. In der Stadt quellen Mülleimer über, an den Autobahnauffahrten sieht man mehr Müll als Grün, und am Wupperufer an der Rosenau beschweren sich Bürger über die Glasscherben, deretwegen sie ihre Kinder nicht dort spielen lassen könnten.

Hermann Josef Richter vom Verein Haus und Grund sagt, es sei wieder mehr geworden. Dajana Meier vom Verein Neue Ufer ist genervt. „Es ist eine Frage der Selbstachtung. Man kann ja arm sein, aber man muss nicht im Dreck leben“, sagt sie mit Blick auf die Finanzlage der Stadt. Sie vermisst vor allem ein Bewusstsein der Bürger. „Es fehlt der gesellschaftliche Konsens, dass man Müll nicht auf den Boden schmeißt“, findet sie. Auch Richter sieht die Bürger in der Pflicht: „Die Stadt ist so schmutzig, wie die Bewohner sie machen.“

Beide wollen die Straßenreinigung nicht kritisieren. Die ESW mache einen guten Job, vor allem seit die Straßenreinigung dezentral in den Stadtteilen organisiert sei. Man gebe sich alle Mühe, sagen beide. Martin Bickenbach, Geschäftsführer der Abfallwirtschaftsgesellschaft und des Eigenbetriebs Straßenreinigung, sagt, die Zustände seien besser geworden. Genaue Zahlen dazu hat er aber nicht. Aber durch die Gebührenerhöhung und die neuen Intervalle habe man Erfolge erzielen können.

Trotzdem gebe es saubere Ecken, die dreckig wirkten – wenn etwa saubere Mülleimer an verschmutzten Laternenmasten hängen, bleibe das Bild der schmutzigen Stadt. „Das ärgert mich auch“, gibt es zu.

Hermann Josef Richter fordert mehr Erziehungsarbeit, um mehr Bewusstsein für Sauberkeit zu schaffen: „Das fängt im Elternhaus an.“

Auch Bickenbach bekräftigt das. Die AWG veranstalte immerhin regelmäßig Schulungen in Kindergärten zur Mülltrennung. „Ob die Teilnehmer das als Jugendliche wieder vergessen?“, fragt Bickenbach. Viele Problemzonen seien solche, an denen Jugendliche feierten, sagt er. Die Hardt, der Tanztunnel, die Umgebung der Wicked Woods. Aber es gebe eben auch Orte wie den Berliner Platz oder den Wichlinghauser Markt. „Wenn wir dort intensiver reinigen wollen, müssen wir aber auch die Gebühren anheben.“

Das Ordnungsamt ist „keine Präsenztruppe“

Meier fordert, dass das Ordnungsamt mehr Bußgelder verhängt. Christian Vorsich, Leiter des Ordnungsamts, sagt, man müsse das im Kontext von Personalmangel und Aufgabengebieten sehen. Klar gebe es Bußgelder, aber das Ordnungsamt sei keine Präsenztruppe mehr. „Was wir sehen, wird geahndet“, sagt er. Aber wer nicht vor Ort ist, kann wenig sehen. „Das ist Teil des Problems“, sagt Vorsich. Es fehle das Geld für mehr Personal. Und das ließe sich auch nicht durch mehr Bußgelder decken.

„Wenn man sich anguckt, was alles in der Wupper gefunden wird, denke ich schon, dass es an Strafen fehlt“, sagt Marc Schulz, Fraktionsvorsitzender der Grünen. Aber dafür fehle es an Geld. Der Ordnungsdienst müsse viel kompensieren und könne seinen eigentlichen Aufgaben nicht mehr nachkommen. Zusätzlich fordert auch Schulz wachsamere Bürger. „Wir leben ja in dieser Stadt und müssen auf sie achten.“

Es bedarf also des Bürgerengagements. Es gibt zwar Helfer, aber eben nicht genug. „Alle wollen den Hintern hinterhegetragen bekommen“, sagt Dajana Meier. Es komme viel zu wenig aus der Gesellschaft.

 

 

Von Eike Rüdebusch