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Rückenwind für Kulturkindergarten

Westdeutsche Zeitung, 08. November 2017

Das Projekt erfährt viel Interesse. Rund 25 000 Euro an Spenden sind schon eingegangen.

Kindergarten

Die Gruppenräume werden jeweils zur Nordbahntrasse blicken – für das Außengelände wird es noch weitere Planungen geben.

Mirke. „Es ist toll, was wir für Rückmeldungen bekommen“, zieht Joachim Heiß, Geschäftsführer der Alten Feuerwache eine erste Bilanz. Zu dem am Bahnhof Mirke geplanten „Kulturkindergarten“ gibt es viele positive Äußerungen und schon zahlreiche Spenden: Rund 25 000 Euro sind bereits zusammengekommen.

Sammlungen von Geburtstagen oder Golf-Turnieren landen im Spendentopf für die Einrichtung, mit der die Alte Feuerwache Kindern in schwierigen Lebenssituationen einen guten Start ins Leben geben möchte. „Die Leute finden das eine tolle Idee“, berichtet Joachim Heiß von den vielen Reaktionen. Auch unter Erzieherinnen sei das Interesse groß – zum Glück, denn diese werden derzeit gesucht. Und auch die Universität ist interessiert. Es gebe erste Gespräche über eine wissenschaftliche Begleitung.

Die Grundfinanzierung wird wie bei anderen Kitas über Land, Stadt und Träger laufen. Aber nicht nur für die Einrichtung, sondern auch dauerhaft braucht der Kulturkindergarten weiteres Geld, um sein besonderes Konzept zu verwirklichen. „50 000 bis 70 000 Euro pro Jahr wären schön“, so Joachim Heiß.

Das ist für zusätzliches Personal gedacht sowie Fortbildungen zu Bindungsförderung. Für die Kulturförderung mit Musik, Malerei oder Theater werden ebenfalls geschulte Pädagogen und Material gebraucht. Die Kita werde auch neue Wege in der Bildungsvermittlung gehen, angelehnt an die italienische Reggio-Pädagogik, erklärt Joachim Heiß: „Wir gehen davon aus, dass Kinder wissbegierig sind, wollen sie ihre Umwelt und auch den Stadtteil erkunden lassen und nicht nur Dinge vorgeben.“ Die Förderung soll den Kindern bessere Bildungschancen verschaffen und damit ein wichtiger Baustein zur Armutsbekämpfung sein.

Die Gruppenräume werden jeweils zur Nordbahntrasse blicken – für das Außengelände wird es noch weitere Planungen geben.

Die Pläne für das Haus sind fertig: Das Architekturbüro Gerlich hat sich für „eine moderne Interpretation der Stilelemente eines Bahnhofs“ entschieden – das werde an den überdachten Bereichen mit Stützen vom Gebäude deutlich, so Dominik Gerlich. Insgesamt schmiege sich das L-förmige Gebäude „wie eine schützende Hand“ um den Spielbereich unter freiem Himmel.

Im Inneren greife das Haus die Struktur einer italienischen Stadt auf: Von der „Piazza“, dem großen Multifunktionsraum in der Mitte, führten zwei Flure wie Straßen durchs Haus, vorbei an abgerundeten Ecken. Dank Photovoltaik-Anlage, Wärmerückgewinnung und Dämmung werde das Haus nur wenig Energie brauchen.

Der erste Teil-Bauantrag ist gestellt, bald sollen die Arbeiten beginnen. Geplant ist, dass am 1. August 2018 die ersten Kinder einziehen können.

 

Von Katharina Rüth

Alte Feuerwache baut einen Kindergarten

Wuppertaler Rundschau, 28. Oktober 2017

Alte Feuerwache baut einen Kindergarten

WupRundschau28.10.17

Joachim Heiß, Jana-Sophia Ihle und Astrid Ippig (von li.) am Standort des geplanten Kindergartens. FOTO: Rundschau

 

Wuppertal. In Zusammenarbeit mit dem Verein "forum" soll eine fünfgruppige Tageseinrichtung an der Nordbahntrasse entstehen – und damit die Situation in Elberfeld etwas entspannen. Von Anna Woznicki

 "Aus dem Weg, hier komme ich!", tönt es beim Betreten des Geländes der Alten Feuerwache an der Gathe. Ein Fahrrad saust vorbei, der Basketball fliegt und eine Horde Mädchen springt hüpfend und lachend mit ihren Seilchen vorbei. Hier tobt das Leben. Hier ist das kinderreichste Viertel in ganz Wuppertal.

Seit 25 Jahren bietet der soziale Träger Alte Feuerwache Kindern, Jugendlichen und ihren Familien vielfältige soziale und kulturelle Angebote in einem Quartier, in dem die Folgen wachsender Armut jeden Tag spürbar sind. Familienhebammen, Sprachkurse, offene Treffs oder Frauengruppen unterstützen die benachteiligten Familien.

"Wir wollen eine lückenlose Begleitung schaffen, Chancengleichheit fördern. Doch das ist in der momentanen Situation nicht möglich. Dazu hat Wuppertal viel zu wenige Kita-Plätze", sagt Joachim Heiß, Geschäftsführer des multikulturellen Begegnungszentrums Alte Feuerwache.

Die Lösung heißt: "Wir bauen einen Kindergarten" – So steht es auf den Flyern und Plakaten, die zurzeit in ganz Wuppertal zu sehen sind.

Sie sind der Start für eine große Spendenkampagne der Alten Feuerwache. Zusammen mit dem Verein "forum e.V"., der sich für die Integration von Menschen mit Handicap einsetzt, baut die Alte Feuerwache auf einem 4.000 Quadratmeter großen Grundstück an der Nordbahntrasse eine neue, fünfgruppige Tageseinrichtung für Kinder von null bis sechs Jahren.

Tägliche künstlerische und kulturelle Aktivitäten sollen hier eine zentrale Rolle spielen. "Auch arme Kinder sollen in der Kita einen Zugang zu Kunst, Musik und Tanz erhalten. Gerade stressbelastete Kinder müssen besonders aufgefangen werden, damit sie überhaupt bereit sind, sich auf Lernprozesse einzulassen", sagt Jana-Sophia Ihle, Sozialpädagogin der Alten Feuerwache. Das aber alles ohne zusätzliche Elternbeiträge.

Deshalb sucht die Alte Feuerwache noch Sponsoren für den Kulturkindergarten. Zusätzliche Mittel werden nicht nur für Kulturpädagogen oder die besondere Innenausstattung der Einrichtung, wie Werkstätten, Ateliers und Instrumente, benötigt, sondern auch für besonders qualifizierte Mitarbeiter, die beispielsweise die Versorgung gefährdeter Kinder sicherstellen, mit Jugendamt und Therapeuten kommunizieren und die Konzeptentwicklung, Organisation und Koordination mit Kultur- und Bildungsinstitutionen betreuen. Mit 20.000 Euro Spendenbedarf sind die Träger zunächst über Crowdfunding gestartet. Knapp 4.000 Euro wurden bisher gespendet.

"Genau hier soll es hin!" Joachim Heiß beschreibt mit seinem Finger den Standort des zukünftigen Kindergartens. "In die Mitte kommt eine große Piazza, der Treffpunkt des ganzen Hauses. Der Aufbau hat Dorfcharakter, ist offen und Rückzugsort zugleich", beschreibt Astrid Ippig. Sie ist die zukünftige Leiterin des Kulturkindergartens. "Es ist etwas ganz Besonderes, schon bei der Entstehung und Konzeption dabei sein zu können!"

Noch ist nichts zu sehen. Doch in ein paar Wochen soll es losgehen. Der Kindergarten wird im August 2018 mit zunächst zwei Gruppen seine Pforten öffnen. Mütter mit Kinderwagen ziehen vorbei. Väter, die ihren Kindern gerade das Fahrradfahren beibringen. Für sie alle ist der Kindergarten eine Chance. Die Familien des Quartiers bekommen somit ein Mehr an Lebensqualität und ein Stück mehr an Zukunft.

"Wuppertal ist, was die Kita-Plätze angeht, Schlusslicht in Deutschland", betont Joachim Heiß. "Da mussten wir einfach etwas tun. Wir hoffen, dass uns noch viele Spenden erreichen, um dieses Projekt nicht nur zu realisieren, sondern auch weiter in seiner Qualität halten zu können."

von Anna Woznicki

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